Literatur-Salon Potsdamer Straße: „Radio 100“, 1. März 2017

Sibylle Nägele/Joy Markert, Die Potsdamer Straße, Metropol, Berlin 2006Mittwoch, 1. März 2017, 19 Uhr
Der Literatur-Salon Potsdamer Straße zu Gast in der Potsdamer Straße 131: »Radio 100«

In diesem Haus war vor 30 Jahren Sendestart für das erste Privatradio West-Berlins – links-alternativ, zuweilen radikal, frech und feministisch wurde hier vier Jahre lang Radio gemacht.

Es war eine bewusste Entscheidung, hierher zu ziehen, es gab Zeitungen: Tagesspiegel, Abend, tip und Zweite Hand, große und kleine Verlage: Rotbuch, Merve, Verlag rosa Winkel, Orlanda Frauenverlag, Verlag a-verbal. Die Tradition des Medienstandortes Potsdamer Straße wurde neu begründet. Internationale Fotoagenturen wie Zenit, Presseagenturen für freie Journalisten, die Buchhandlung Kommedia, das Lokal Strada: Auch das Haus wurde zu einem kulturellen Zentrum im Kiez. Trotz oder wegen seiner überregionalen Bedeutung. Die Radiomacher*innen waren gut vernetzt mit Subkultur- und Hausbesetzerszene, auch in der Nachbarschaft: Pelze multimedia, Begine, K.O.B. Viele wohnten im Kiez, einige leben und arbeiten hier bis heute.

Sibylle Nägele und Joy Markert im Gespräch mit zwei Gründungsmitgliedern und Radiomacher*innen von Radio 100: Marion Fabian und Werner Voigt.

Gastgeber Karl-Hermann Leukert.

Eintritt frei

Sie sind herzlich eingeladen! Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir um Anmeldung:
Tel.: 01522-7181579, E-Mail: s.naegele@medienautoren.de

Nach dem Radio 100 Fest ist vor Laurie Anderson

Wem zwei Nächte Radio 100 Party nicht reichen, die/der kann, im gleichen Zeitgeist bleibend, am Sonntag, 05.03.2017, 20 Uhr im Haus der Kulturen der Welt zu der Performance
The Language of the Future von Laurie Anderson
der Abschlussveranstaltung der Transmediale „ever elusive“, die dieses Jahr ebenfalls ihren 30. Geburtstag begeht und der wir auf diesem Wege herzliche Glückwünsche senden. Tickets für die Performance gibt es hier.

Zeitreise

Hallo, technisches Vorbereitungsteam an alle,

Wir haben keine Kosten und Mühen gescheut und den Zeittunnel nachgebaut, um uns alle ins Jahr 1987 zurück zu beamen.

Bei den ersten Testläufen haben wir die wichtisten Ereignisse des Geburtsjahres von Radio 100 abgefilmt und für Euch in einer einstündigen Dokumentation zusammengestellt:

Und dann haben wir uns besonders den 1. März 1987 angeschaut, den Tag des Sendestarts von Radio 100.
Viel Spaß bei der Zeitreise!

Party am 3.3. und 4.3. 2017

im Columbia Theater Berlin

am Flughafen Tempelhof.

Eintritt jeweils 7.- Euro.

 

Am Freitag den 3.3. 2017 ab 21 Uhr

Das audionautische Nachtflug Party

Das Hörradio und Zuhörradio, das experimentelle Radio, eine Mischung aus kleinen Live-Acts und Live-Radio   Eintritt € 7. 

 

Am Samstag  den 4.3. 2017 ab 21. Uhr

Die Jubiläumsparty.

DJs und kleine Live-Acts bewegen sich und uns durch die Geschichten von „Heinos bunter Melodienstrauß“ über  „Rhytmus & Börsenkrach“, „Sonic Life“ , „Midnight Tracks“ bis zu den „Dissonanzen-Nächten“.

Eine Nacht so überraschend wie „Radio 100“.

Eintritt € 7.-

Die Ausstellung

Radio 100 hat Zeit- und Mediengeschichte geschrieben. Als im März 1987 Radio 100 zu senden begann, lauteten fast alle Wetten: Das geht nicht lange gut. Die anfänglich auf vier Stunden (19-23 Uhr) begrenzte Sendelizenz galt derselben Frequenz, auf der Ulrich Schamonis Programm Hundert,6, wie man bei Radio 100 kurz vor 23 Uhr bemerkte, ein 18-stündiges Pausenzeichen sendete. Radio 100 verdankte die Lizenz einer medienrechtlichen Pluralitätsidee. Durch die Teilung der Frequenz auf so unterschiedliche Programme sah der Lizenzgeber, der Berliner Kabelrat unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Ernst Benda, die Pluralität des auf der Frequenz gesendeten Programms als gewährleistet an. Um 19 Uhr beendete Hundert,6 sein Programm mit der Nationalhymne, worauf Radio 100 mit dem Klang einer Klospülung antwortete.
Aber nicht nur in dieser grosso modo-Betrachtung war Radio 100 medienpolitisch und lizenzrechtlich ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Der Kabelrat hatte die miteinander konkurrierenden Bewerber um die Teilfrequenz dazu – nun ja – ermuntert, sich zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen, weil jeder von ihnen allein keine Aussicht auch nur auf eine Teilfrequenz besaß. So schloss sich zusammen, was besser auseinander geblieben wäre. Die Auflage führte in der Gruppe der Gesellschafter zu einem chronischen Streit über praktisch alles: das Programm, die Verteilung des Geldes, die Gestaltungsansprüche der Gesellschafter, die ihnen auferlegten Pflichten und damit verbundene Versäumnisse. Deshalb hier eine erste These, die es für die Ausstellung zu illustrieren gälte: das Programm von Radio 100 kam sowohl wegen als auch trotz der es tragenden Gesellschafter zustande. Wer nur die historischen Akten läse, bekäme keine Idee von der tatsächlichen vielstimmigen Beschaffenheit des Programms.
Etwas zweites kommt hinzu: einige Sendeplätze und ihre ProgrammmacherInnen rechneten sich sozialen Bewegungen zu (Frauen, Schwule, Internationalismus, Punk, et alii), ohne dass die damals in Berlin, in Westdeutschland oder international engagierten AktivistInnen oder VordenkerInnen selbst im Programm vorgekommen wären. Das Programm entstand in relativer Autonomie zu den Bewegungen, denen es sich verbunden fühlte. Wie illustriert man diese disparaten Momente, ohne sich im Kleinklein zu verlieren?
Lasst Euch überraschen wie Hans Hütt, der ehemalige Radio 100 „Nachtflug“-Pilot,  und sein Team diese Aufgabe bewältigen! Eines ist sicher, der Austtellungsraum im Zelt im Garten des Columbia Theaters hat eine Heizung. Ihr könnt Euch Zeit nehmen! An den Hörstationen könnt Ihr Euch selbst das Programm zusammenstellen.