Die Ausstellung

Radio 100 hat Zeit- und Mediengeschichte geschrieben. Als im März 1987 Radio 100 zu senden begann, lauteten fast alle Wetten: Das geht nicht lange gut. Die anfänglich auf vier Stunden (19-23 Uhr) begrenzte Sendelizenz galt derselben Frequenz, auf der Ulrich Schamonis Programm Hundert,6, wie man bei Radio 100 kurz vor 23 Uhr bemerkte, ein 18-stündiges Pausenzeichen sendete. Radio 100 verdankte die Lizenz einer medienrechtlichen Pluralitätsidee. Durch die Teilung der Frequenz auf so unterschiedliche Programme sah der Lizenzgeber, der Berliner Kabelrat unter Vorsitz des Bundesverfassungsrichters a.D. Ernst Benda, die Pluralität des auf der Frequenz gesendeten Programms als gewährleistet an. Um 19 Uhr beendete Hundert,6 sein Programm mit der Nationalhymne, worauf Radio 100 mit dem Klang einer Klospülung antwortete.
Aber nicht nur in dieser grosso modo-Betrachtung war Radio 100 medienpolitisch und lizenzrechtlich ein Experiment mit ungewissem Ausgang. Der Kabelrat hatte die miteinander konkurrierenden Bewerber um die Teilfrequenz dazu – nun ja – ermuntert, sich zu einer Gesellschaft zusammenzuschließen, weil jeder von ihnen allein keine Aussicht auch nur auf eine Teilfrequenz besaß. So schloss sich zusammen, was besser auseinander geblieben wäre. Die Auflage führte in der Gruppe der Gesellschafter zu einem chronischen Streit über praktisch alles: das Programm, die Verteilung des Geldes, die Gestaltungsansprüche der Gesellschafter, die ihnen auferlegten Pflichten und damit verbundene Versäumnisse. Deshalb hier eine erste These, die es für die Ausstellung zu illustrieren gälte: das Programm von Radio 100 kam sowohl wegen als auch trotz der es tragenden Gesellschafter zustande. Wer nur die historischen Akten läse, bekäme keine Idee von der tatsächlichen vielstimmigen Beschaffenheit des Programms.
Etwas zweites kommt hinzu: einige Sendeplätze und ihre ProgrammmacherInnen rechneten sich sozialen Bewegungen zu (Frauen, Schwule, Internationalismus, Punk, et alii), ohne dass die damals in Berlin, in Westdeutschland oder international engagierten AktivistInnen oder VordenkerInnen selbst im Programm vorgekommen wären. Das Programm entstand in relativer Autonomie zu den Bewegungen, denen es sich verbunden fühlte. Wie illustriert man diese disparaten Momente, ohne sich im Kleinklein zu verlieren?
Lasst Euch überraschen wie Hans Hütt, der ehemalige Radio 100 „Nachtflug“-Pilot,  und sein Team diese Aufgabe bewältigen! Eines ist sicher, der Austtellungsraum im Zelt im Garten des Columbia Theaters hat eine Heizung. Ihr könnt Euch Zeit nehmen! An den Hörstationen könnt Ihr Euch selbst das Programm zusammenstellen.

 


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